Der ayurvedische Stirnölguss: Shirodhara

Der Begriff Shirodhara leitet sich von den aus dem Sanskrit stammenden Wörtern „shiro“ (die Stirn) und „dhara“ (der Fluss) ab und kann übersetzt werden mit „Stirnguss“ oder auch „Stirnölguss“. Bei dieser mehr als 5000 Jahre alten ayurvedischen Behandlungsmethode fließt ein kontinuierlicher Strahl mit Kräutern vermischten erwärmten Öls („thalia“) auf die Stirn des Patienten.

 

Hintergrund: Wofür wird Shirodhara angewendet?

Shirodhara ist eine bewährte Methode gegen Stress und Überarbeitung. Die etwa 45 Minuten andauernde Behandlung beruhigt die Nerven, reinigt den Geist, löst Anspannungen und ermöglicht Körper und Geist tief zu entspannen. Auf diese Weise können Fatigue, Schlafstörungen, Nervosität oder chronische Kopfschmerzen gelöst werden.

Aus ayurvedischer Sicht liegt diese besondere Wirkung von Shirodhara daran, dass die Behandlung die Doshas Vata und Pitta wieder in die Balance bringen kann:

Einige typische Merkmale einer Vata-Imbalance sind: Angst, Unsicherheit, Sorgen und rasende Gedanken.

Einige Charakteristika einer Pitta-Imbalance sind: Wut, Reizbarkeit, Frustration oder Neigung zu Beurteilung.

Durch die Art der Behandlung und aufgrund der besonderen Zusammensetzung des Öles, verfügt der Stirnölguss über eine beruhigende, nährende und befriedende Wirkung. Durch ihn können die Doshas Vata und Pitta wieder in ihr Gleichgewicht kommen und die Symptome des Ungleichgewichts gelindert oder gar beseitigt werden.

 

 

Studien belegen die Wirkung Shirodharas

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Studien1 zu Shirodhara und der Wirkung der Behandlung durchgeführt. Exemplarisch hierfür steht die aus dem Jahr 2013 stammende Studie „Shirodhara: A psycho-physiological profile in healthy volunteers“2 (Deutsch: „Shirodhara: Ein psychophysiologisches Profil gesunder Probanden“).

Für die Durchführung wurden 16 gesunde Probanden ausgewählt. Mithilfe moderner medizinischer Diagnoseverfahren (u.a. EKG, EEG) wurde dann die Wirkung von Shirodhara auf Körper und Geist gemessen.

Die Teilnehmer der Studie erhielten zunächst eine „Abhyanga-Massage“ (eine Ganzkörpermassage) und anschließend eine Shirodhara-Behandlung.

Die Ergebnisse der Studie bestätigten, was der ayurvedischen Tradition bereits lange bekannt war.

Die Shirodhara-Behandlung hat bei den Studienteilnehmern:

  • die Gesamtstimmung verbessert
  • das Stresslevel stark gesenkt
  • die Atemfrequenz erniedrigt
  • den Blutdruck und Puls reduziert

 

Im abschließenden Fazit der Studie wurde beschrieben, dass ein Zustand aufmerksamer Ruhe bei den Teilnehmern eingekehrt war. Dieser wurde verglichen mit dem Entspannungszustand bei einer Meditation.

Shirodhara wurde ein eindeutiger „klinischer Nutzen“ zugeschrieben. Die Behandlung kann laut der Studienergebnisse lindernd wirken bei Angstneurosen, Bluthochdruck und hohem Stress.

 

Fazit: Wann sollte Shirodhara angewendet werden und welche Vorteile hat die Behandlung?

Wir haben im Folgenden noch einmal eine kleine Übersicht zusammengestellt.

Shirodhara kann lindernd wirken bei den folgenden Beschwerdebildern:

  • Posttraumatischen Belastungsstörungen
  • Schlaflosigkeit
  • Psoriasis
  • Bluthochdruck
  • Chronischen Kopfschmerzen und Migräne
  • Tinnitus und Hörverlust

 

Die Wirkung von Shirodhara:

  • Stabilisierung des Nervensystems
  • Verbesserung von Schlafstörungen
  • Reduktion von Migräne
  • Unterstützt geistige Fokussierung und Konzentration
  • Erniedrigt den Blutdruck
  • Verringert Haarverlust und Fatigue
  • Reduziert Stress

 

 

Shirodhara bietet also zahlreiche Vorteile für unsere Gesundheit. Für ein optimales Ergebnis ist es besonders wichtig, dass die Behandlung von einem erfahrenen Ayurveda-Therapeuten durchgeführt wird. Nur er kann, unter Berücksichtigung der Gesamtverfassung des Patienten, die richtigen Öle und die entsprechende Intensität und Dauer der Behandlung auswählen.

In einer ruhigen Umgebung und mithilfe ergänzender Behandlungen (z.B. einer Abhyanga-Massage) können wir wieder zur Ruhe kommen und neue Kraft tanken.

 

Gegenanzeigen: In welchen Fällen sollte Shirodhara nicht angwendet werden?

Es gibt auch wenige Fälle, in denen der Stirnölguss nicht angewendet werden sollte. Dies gilt bei:

  • einer Abneigung gegen Öle
  • Frauen, die sich im letzten Drittel der Schwangerschaft befinden. Längeres Liegen auf dem Rücken kann sich in dieser Phase als belastend für den Körper darstellen.
  • Während des gesamten Menstruationszyklus.
  • Hirntumoren, neueren Nackenverletzungen, Schürf- oder Schnittwunden in der Kopfregion, Fieber und Erkältungen, akuten Erkrankungen, Übelkeit, Erbrechen, starker Schwäche, Erschöpfung, Schwindel, Ohnmacht oder spontanem Schwitzen.
  • Außerdem: bei Ausschlägen oder Sonnenbrand auf der Stirn oder dem Kopf.

 

Eine Shirodhara-Anwendung kann allein oder in Kombination mit einer  Abhyanga   (Ganzkörperölmassage) genossen werden. Zudem kann Shirodhara auch in    Ayurvedischen Detox-Programmen (Panchakarma) oder in Ayurvedischen Wellness-Paketen  integriert werden.

 

 

Quellen:

1„Ayurvedic Therapy (Shirodhara) for Insomnia: A Case Series”, 2014
(https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3921608/)

„Evaluation of Insomrid Tablet and Shirodhara in the management of Anidra (Insomnia)”, 2010

(https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3215320/)

2„Shirodhara: A psycho-physiological profile in healthy volunteers” in Journal of Ayurveda and integrative medicine, 2013

 

 

Athena Theel

Athena studiert Chinesisch & Wirtschaft an der Universität Köln. Nachdem Sie viele Jahre in China und Japan verbracht hat, entwickelte sie ein Interesse für ganzheitliche Medizin. Dieses Interesse hat Athena motiviert, bei Sri Sri Tattva als Redakteurin und Übersetzerin zu arbeiten.
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