Abhyanga-Massage: Aktiv Selbstheilungskräfte anregen und tiefe Entspannung erlangen

Die Meisten, die sich mit Ayurveda beschäftigen, haben schon einmal von „Abhyanga-Massagen“ gehört. Doch was hat es damit eigentlich auf sich? Heute möchten wir einen kleinen Einblick geben, was genau Abhyanga ist und welche Wirkung diese Form der Massage auf Körper und Geist haben kann. Im Anschluss daran, haben wir eine kleine Do-it-yourself-Anleitung für eine wirksame und absolut entspannende Abhyanga-Eigenmassage angefügt.

 

 

Definition: Was ist Abhyanga?

Der Begriff „Abhyanga“ stammt aus dem Sanskrit und kann übersetzt werden mit „Salbung“, „Salbe“, „Öl“ oder „Ölung“. Abhyanga kann somit die Tätigkeit, jemanden mit Öl zu übergießen oder einzureiben, beschreiben. Es gibt zudem verschiedene Öle, die für eine Abhyanga-Massage angewendet werden können.

Speziell im Ayurveda beschreibt Abhyanga eine althergebrachte Massagetechnik mithilfe ausgewählter Öle. Diese Öle werden speziell auf die individuelle Konstitution (Prakriti) des zu Behandelnden abgestimmt. Abhyanga-Massagen können sich auf den ganzen Körper oder auch nur einzelne Körperteile, z.B. die Füße und Beine oder nur den Rücken, konzentrieren. Die Massage kann von einem oder zwei Therapeuten oder auch allein als Eigenmassage durchgeführt werden.

 

 

Warum eine Abhyanga-Massage durchführen?

Jeder, der schon einmal massiert wurde, weiß, dass Massagen absolute Entspannung und die Ausschüttung von Glückshormonen fördern kann. In der ayurvedischen Tradition steht jedoch noch viel mehr dahinter. Nach ayurvedischer Auffassung vermag es eine Ölmassage, die „Srotas“ zu öffnen. Dies sind Kanäle über die das „Ama“ (das Unverdaute/ die Schlacken) abtransportiert werden können. Es gibt seelische sowie physische Schlacken, deren Ansammlung im Körper, aus ayurvedischer Sicht, zu Krankheiten führen können. Eine Abhyanga-Massage dient demnach also nicht nur der Entspannung, sondern bringt auch zahlreiche gesundheitsfördernde Aspekte mit sich.

 

Mögliche Vorteile durch eine Abhyanga-Massage1:

  • Reinigung und Stärkung von Gewebestrukturen
  • Erhöhung muskulärer Stärke
  • Reduktion von Fatigue
  • Verringerung von Gelenk- und Muskelbeschwerden
  • Förderung der Geschmeidigkeit von Gelenken
  • Durch die Reduktion von Giftstoffen kann das Hautbild stark verbessert und die Haut gegen Infektionen gestärkt werden
  • Verlangsamung des Alterungsprozesses
  • Stärkung des Immunsystems und Verbesserung des Schutzes vor Erkrankungen
  • Verbesserung der Schlafqualität

 

Die Abhyanga-Selbstmassage: Anleitung und hilfreiche Tipps

Die gezielten und geübten Berührungen während einer Abhyanga-Massage durch einen erfahrenen Therapeuten garantieren ein Gefühl der Reinigung und Entspannung und sind für eine optimale Wirkung einer Abhyanga-Massage am empfehlenswertesten.

Wer jedoch nur wenig Zeit hat und besonders in Belastungsphasen einfach einmal entspannen und runterkommen möchte, für den eignet sich auch eine Abhyanga-Selbstmassage. Sie kann dabei helfen, die Doshas auszugleichen, den Körper von Schlackenstoffen zu befreien und eine jugendliche und vitale Ausstrahlung zu erhalten. Wir haben eine einfache Kurzanleitung zusammengestellt, die jeder ganz individuell auf sich anpassen und zu Hause durchführen kann.

Vor Beginn einer Selbstmassage sollte die eigene Konstitution berücksichtigt werden.

Ist die eigene Konstitution nicht bekannt, ist es möglich einen Termin mit unserer Ayurveda Therapeutin Auszug machen.


(Für den Kopf und die Haare empfiehlt Ayurveda i.d.R. andere Öle – siehe weiter unten)

 

Personen mit VATA-Konstitution*, können i.d.R. z.B. ein warmes Sesamöl anwenden. Hier wird am besten reichlich Öl genutzt. Unter nur sanftem bis mittlerem Druck werden dann ruhige und fließende Massagebewegungen ausgeführt.

 

 

Personen mit PITTA-Konstitution*, wird i.d.R z.B. v.a. an heißen Tagen leicht angewärmtes Kokosöl empfohlen, oder an kalten Tagen ein mäßig warmes Sesamöl. Mit einer mittleren Ölmenge und unter mittlerem Druck werden in einem mittleren Tempo und ohne Absetzen der Hände Massagebewegungen ausgeführt. Achtung: Sesamöl kann Pitta noch mehr erhöhen, daher ist besonders darauf zu achten wie Körper und Geist auf das Öl reagieren und ggf. zu Kokosöl zu wechseln.

 

Personen mit KAPHA-Konstitution* können z.B. ein warmes Senföl oder Sesamöl verwenden. Mit einer mäßigen Ölmenge wird bei festem aber angenehmem Druck und in schnellen und gleichmäßigen Bewegungen ohne Absetzen der Hände massiert.

 

Achtung: Für den Kopf und die Haare werden i.d.R. andere Öle als für den Körper empfohlen. Sesamöl empfehlen wir z.B. nicht für den Kopfbereich. Typische Öle für den Kopf und die Haare sind v.a. Kokosöl, Mandelöl, Brahmiöl oder Bringarajöl.

Sowohl für den Körper, den Kopf und die Haare sind biologische Öle zu bevorzugen.

 

*Dies sind nur allgemeine Empfehlungen. Wichtig ist immer den eigenen Körper und Geist zu beobachten, wie der Körper und Geist auf die Massage und die Öle reagieren und ggf. die Ölmenge, Temperatur oder auch den Druck anzupassen.
Tipp: Ein Ayurvedaexperte (Vaidya) kann anhand einer Ayurvedischen Pulsdiagnose  die persönliche Konstitution und eventueller aktueller Ungleichgewichte bestimmen und basierend darauf spezielle Kräuteröle empfehlen, die in der aktuellen Situation am empfehlenswertesten sind.

 

Let´s do it! – Der richtige Ablauf einer Abhyanga-Selbstmassage

Bei einer Selbstmassage fangen wir mit dem Kopf an. Mit den flachen Fingern massieren und entspannen wir zunächst unsere Kopfhaut. Anschließend werden vorsichtig die Ohren massiert. Die Finger wandern dann langsam und gleichmäßig über Gesicht und Hals. Und spätestens hier merken wir, wie wir zunehmend entspannen und loslassen können.

 

 

Nun widmen wir uns den Armen: Zu beachten ist an dieser Stelle, dass Frauen mit einer Massage des linken und Männer mit einer Massage des rechten Armes beginnen sollten. In langen Bewegungen wird dann auf und ab über die Arme gestrichen. Die Gelenke und Hände werden anschließend ausführlich mit kreisenden Bewegungen massiert.

 

Die Brust kann mit kreisenden oder geraden Bewegungen massiert werden. Der Bauch wird anschließend im Uhrzeigersinn (aus der Außenperspektive) dem Verlauf des Dickdarms entlang massiert. Danach widmen wir uns, gerade so wie es sich angenehm anfühlt, dem Rücken. Es geht bei einer Selbstmassage nicht darum, alle möglichen Energiepunkte zu treffen, sondern darum, sich etwas Gutes zu tun und zu entspannen. Deshalb sollte auch eine Eigenmassage am Rücken keine Anstrengung bedeuten.

 

Die Hüfte, die Knie und die Fußgelenke werden in kreisenden Bewegungen massiert, während die Beine in langen Bewegungen langsam ausgestrichen werden. Auch hier sollte wieder beachtet werden, dass Frauen mit dem linken Bein und Männer mit dem rechten beginnen sollten. Ganz zum Schluss sind die Füße dran: Mit flachen Fingern werden die großen Flächen und danach die Zehen und ihre Zwischenräume massiert.

 

Zu welcher Tageszeit sollte eine Abhyanga-Selbstmassage angewendet werden?

Grundsätzlich kann eine Abhyanga-Eigenmassage zu jeder Zeit angewendet werden. Wobei eine Massage am Abend eher nicht empfohlen wird, da der Körper sich nach Sonnenuntergang auf die Nacht vorbereitet und der Stoffwechsel allmählich heruntergefahren wird. Für eine optimale Wirkung empfehlen wir eine Eigenmassage vor der morgendlichen Dusche. Hier ist der Körper aktiv und durch die gesteigerte Stoffwechselaktivität kann nun eine optimale Wirkung erzielt werden.

 

Gegenanzeigen: Wann Sie keine Abhyanga durchführen sollten (weder als Selbstmassage, noch von Therapeuten)

  • weniger als drei Stunden nach den Mahlzeiten
  • bei Kaphastörungen, Verdauungsstörungen und unmittelbar nach einer Panchakarmakur
  • bei Fieber, akutem Durchfall oder Infektionen
  • bei schwereren Erkrankungen des Herz- und Atemsystems
  • bei Frauen: während des Menstruationszyklus

 

„Der Körper einer Person, die regelmäßige Ölmassagen anwendet, ist wenig anfällig, selbst nicht für versehentliche Verletzungen oder schwere Arbeit. Durch eine tägliche Ölmassage wird der Körper beschenkt mit angenehmer Berührung, gepflegten Körperbereichen und [sie] wird stark, liebenswert und am wenigsten betroffen von einem hohen Alter.“

Charaka Samhita Band 1, V: 88-89
1Ashtanga Hridaya (von Vagbhata)

 

 

 

Athena Theel

Athena studiert Chinesisch & Wirtschaft an der Universität Köln. Nachdem Sie viele Jahre in China und Japan verbracht hat, entwickelte sie ein Interesse für ganzheitliche Medizin. Dieses Interesse hat Athena motiviert, bei Sri Sri Tattva als Redakteurin und Übersetzerin zu arbeiten.
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